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„Ich möchte singen – da ist das Alter gar nicht wichtig“

Das Triangel-Projekt bringt seit zehn Jahren verschiedene Generationen zusammen.

Von Birgit Leute, 27.05.2012

Braunschweig. „Uuund...“ Matthias Muschik nickt mit dem Kopf, klopft den Takt und greift in die Saiten seiner Bassgitarre. Alltäglich ist seine Band nicht, denn in ihr prallen Generationen aufeinander: Eine der Herausforderungen im „Triangel“-Projekt.

Seit zehn Jahren bringen das Marienstift und der CJD mit dem Projekt, das 2011 in „Kultur-Arche“ umgetauft wurde, Jung und Alt zueinander. Im Mittelpunkt steht immer die Musik.
„Ältere Menschen lernen mit und von den Schülern neue Lieder und jüngere Menschen sammeln ohne Druck neue Erfahrungen“, fasst Dr. Burkhard Budde, Vorstandsvorsitzender des Marienstifts das Ziel kurz zusammen. Die Band um Muschik ist nur ein Teil. Daneben gibt es noch einen Singkreis mit Bewohnern des Altenpflegeheims Bethanien und eine Gitarren-AG. Projektleiter ist Christian Werner.
Musik machen mit Menschen, die die Großeltern sein könnten – ist das nicht uncool? Frontsängerin Marlene schaut erst erstaunt und schüttelt dann energisch den Kopf. „Überhaupt nicht. Ich möchte singen, da ist das Alter gar nicht wichtig“, sagt die 13-Jährige, die im nachtblauen Kleid und mit zierlichen Ballerinas älter wirkt, reifer.
Vor vier Jahren hatte sie die „Triangel“-AG gewählt – gemeinsam mit Freundin Loisa. Etwas später stießen auch noch Judith und Sophia hinzu – alle um die 15 Jahre, alle irgendwie verbandelt mit der Liebe zur Musik und zum Gesang. „Ich gehe schon in die Domsingschule, aber immer nur Klassik – dazu hatte ich keine Lust“, sagt Judith. Mit Älteren zusammen zu sein, bereite ihr Freude. „Sie sind so dankbar, man kann sie leicht glücklich machen“, erzählt sie. Natürlich seien nicht alle mit der Situation klargekommen. Ein Mitschüler, erzählen die vier, hatte Probleme. „Er hat herumgealbert, nahm das hier nicht ernst und ging am Ende wieder“, erinnert sich Marlene.
Dass diese wöchentlichen Treffen im CJD ernst genommen werden, dafür sorgt Matthias Muschik. Auch wenn der 65-Jährige bescheiden abwinkt – er ist der eigentliche Kopf der Truppe, wählt die Lieder, macht die Arrangements, gibt die Richtung vor. Klar dürften die Jüngeren auch Vorschläge machen, aber – „ich spiele seit 15 Jahren in einer eigenen Band, da habe ich mir ein Repertoire erarbeitet, das auch hier gut funktioniert“, sagt der Bassist. „It’s over now“ gehört dazu, „Alles nur geklaut“ aber auch Oldies wie „On the road again“ und „Sailing“. Christine Gaißbauer, 58 Jahre alt, an der E-Gitarre und die 69-jährigen Renate Köster am Schlagzeug machen den Sound rund. Generationskonflikte? Das Gefühl von Bevormundung? „Nein, das hat es bei uns nie gegeben“, sagt Köster über die Harmonie in der Gruppe. „Ich habe immer auch viel von den Jüngeren gelernt und einen Kopf wie Matthias, den braucht jede Band. Das hat nichts mit Bevormundung zu tun.“ Informationen zum Projekt unter www.triangel-partnerschaften.de.
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