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Holi: Fröhliche Sauerei – rauschhaft schön

Holi-Festival schafft neue Form der Gemeinschaft – 10 000 Besucher tanzen einen Tag lang durch Farben und den Bürgerpark.

Von Falk-Martin Drescher, 19.06.2013.

Braunschweig. Das Gute siegt über das Böse, dafür steht „Holi“. Den Begriff haben mittlerweile alle schon einmal gehört oder gelesen. Mit dem indischen Frühlingsfest wird die Ankunft der sonnigen Jahreszeit gefeiert – genau wie in Braunschweig: 10 000 Menschen tauchten am Sonnabend im Bürgerpark ab.

Auf den ersten Blick wirkt die Szene auf dem Gelände hinter der VW-Halle wie ein übliches Festival: Viele Menschen, eine große Bühne, viele Aktions- und Imbissstände. Doch wer genauer hinschaut, erkennt, dass die meisten in weißen Outfits oder zumindest in weißen Shirts anreisen. Denn dann kommt das am besten zur Geltung, was heute Tausende vorhaben: sich gegenseitig mit Farben zu bewerfen. Das wirkt ein bisschen wie zwanglose Spielerei im Sandkasten oder Kindergarten – macht aber richtig Spaß.
Warum machen wir das? Ziel dabei ist eigentlich, zwischenmenschliche Schranken aufzulösen. In Indien herrscht ein Kastensystem – an diesen Tagen spielt es keine Rolle. Egal welches Geschlecht, Alter oder gesellschaftlichen Status die Teilnehmer haben, heute sind sie einfach nur bunt. Sie beschmeißen sich mit Farben und feiern.
Genau wie wir. Und zwar zu einem umfangreichen musikalischen Line Up. Die Veranstalter haben sich für einige regional angesagte DJs sowie national bis international gehypte Künstler entschieden. Oliver Koletzki etwa ist gebürtiger Braunschweiger, lebt in Berlin und darf zwei erfolgreiche Labels sein Eigen nennen. An diesem Sonnabend hat er gleich mehrere Künstler seines Stils im Gepäck. Und seine Familie, die sich sichtlich beeindruckt von dem Festival zeigt. Auch Rapper MC Fitti ist dabei. Wird er in vielen Medien Berlin zugeschrieben – auch vertritt er unsere Bundeshauptstadt in diesem Jahr beim Bundesvision Song Contest –, stammt Fitti aus Gifhorn. In einem Interview, das demnächst in der nB zu lesen ist, plaudert er über seine dörfliche Zeit in der Südheide. Beim Holi spielt er seine aktuellen Songs. „Yolo“, „Whatsapper“, „30 Grad“, „Penn‘ in der Bahn“ – MC Fitti prägt eine neue Form des Musikgeschmacks. Lockere Sprüche, spontane Sit-ins mit Fans, Songs mit Texten, in denen sich viele wiedererkennen. „Eigentlich wollt‘ ich nur zwei Stationen fahr’n“ – wenn sich an ihm auch die Gemüter spalten, die meisten von uns sind schon einmal in der Bahn eingepennt.
Zu einem kleinen Rave entwickelt sich das friedliche Holi-Festival zum Abschluss. Hatten schon Buzz A Buzz und Currrsed Phil beim Warm Up gezeigt, was Braunschweigs Musikszene zu bieten hat, liefen DJ JNS und Dazed Dog mit noch wachsenden Musikzweigen wie Trap und Moombahton in Höchstform auf.
Um 22 Uhr, pünktlich zur Dämmerung der finale Countdown: alle werfen noch einmal Farbbeutel in die Luft. Rauschhaft schön.
Dann ist es aus, die Musik, das erste Braunschweiger Holi. Bis auf geringe Rangeleien und kleine Alkoholräusche war es friedlich. Der Moderator distanziert sich zum Abschluss noch von denjenigen Schwachköpfen, die versucht haben, auf dem Gelände K.o.-Tropfen zu verteilen. Sie ernten verdiente Buh-Rufe – das Gute siegt über das Böse.
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