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Heute mal länger Gassi gehen

Evakuierung der Anwohner ist logistischer Kraftakt mit ganz speziellen Einzelfällen

Von Martina Jurk

Braunschweig. 30 Grad und Sonnenschein sind für heute vorausgesagt. Doch auch Kennelbad, Okercabana und Bürgerpark liegen im Sperrbezirk, sind voraussichtlich bis 14.30 Uhr nicht zugänglich. Der Grund: Auf dem Messegelände wird eine Bombe vermutet.

Insgesamt 5300 Menschen werden heute Morgen evakuiert. Bis zu 250 Einsatzkräfte sind vor Ort. Es soll sich um eine 100-Kilogramm-Fliegerbombe handeln, die 3,50 Meter tief in der Erde auf dem Messegelände an der Eisenbütteler Straße liegt. Experten des niedersächsischen Kampfmittel-Beseitigungsdienstes legen den Blindgänger heute frei. Das Gebiet um den Fundort wird im Ein-Kilometer-Radius abgesperrt.
Die Anlieger werden von 9 Uhr an evakuiert. Die Vorbereitungen dafür laufen schon seit Tagen auf Hochtouren. Bis 10 Uhr sollen alle Wohnungen geräumt sein. Kontrolliert wird das von bis zu 200 Kräften der Freiwilligen Feuerwehr. Sie gehen nicht nur von Wohnung zu Wohnung, sondern kontrollieren auch in öffentlichen Parks und auf Wegen, ob sich dort noch Jogger oder Spaziergänger aufhalten. Auf der Oker darf niemand mehr herumpaddeln. „Was passiert mit meiner Katze?“, ist eine Frau besorgt und ruft deshalb in der nB-Redaktion an. „Im extremen Einzelfall kümmern wir uns auch um das Haustier“, meint Manfred Brandes von der Feuerwehr, Leiter des Gefahrenabwehrstabs.

Absoluten Vorrang hätten bei einer Gefahrensituation allerdings die Menschen und der sachgerechte Transport von alten, kranken, behinderten und pflegebedürftigen Menschen, stellt Brandes klar. „Die Evakuierung ist lange vorher geplant, die Anwohner sind informiert worden. Wer einen Transport benötigt oder die Sammelstelle nutzen muss, konnte sich also rechtzeitig um den Verbleib seines Haustieres kümmern.“ Alle anderen betroffenen Bewohner, die beispielsweise einen Hund haben, würden vermutlich so lange spazieren, zu Freunden oder Familienangehörigen gehen. Tiere mit einem Krankenwagen zu befördern, sei schon aus hygienischen Gründen problematisch, weil der nächste Mensch, der transportiert werden muss, damit ein Problem haben könnte, erklärt der Fachmann.
Während der Evakuierung können die betroffenen Anwohner ausweichen in das Schulzentrum Stöckheim (Siekgraben 46-48). Dort ist eine sogenannte Sammelstelle eingerichtet. Wichtige Medikamente, Verpflegung und Beschäftigungsmaterial für Kinder können dorthin mitgenommen werden, aber keine Tiere. Doch Brandes rechnet wegen des schönen Wetters mit maximal 200 Menschen, die auf die Sammelstelle ausweichen. Geräumt werden muss auch ein Seniorenheim mit mehreren Bewohnern, die älter als 80 Jahre sind. Sie und auch Schwerstpflegebedürftige werden in einem anderen Seniorenheim untergebracht.
„Vielleicht ist die ganze Aktion schon um 12.30 Uhr beendet, das kommt auf die Beschaffenheit der vermutlichen Bombe an“, sagt Manfred Brandes. Mehrere Szenarien seien möglich. Erstens: Es handelt sich tatsächlich um eine Bombe. Zweitens: Die Bombe lässt sich nicht entschärfen und muss gesprengt werden. Drittens: Die Bombe muss abtransportiert und woanders gesprengt werden. Viertens: Es ist eine Anomalie, das heißt, es könnte auch eine Badewanne sein. Müsste die Bombe abtransportiert werden, würde sie im nördlichen Bereich Braunschweigs auf einer freien Fläche gesprengt werden.
Verzögerungen im Zeitplan könnte es geben, wenn sich Anwohner während der Evakuierung weigern sollten, ihre Wohnungen oder Häuser zu verlassen. Die Feuerwehr hat ein Info-Telefon unter 234 56 78 eingerichtet.
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