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Hesselbach: „Die TU verrottet immer weiter“

Trotz einiger großer Sanierungsprojekte reicht das Geld noch nicht einmal für die normale Bauunterhaltung – Studentenzahlen wachsen

Von Marion Korth, 17.01.2010

Braunschweig. Die Technische Universität steht nicht besser da als die Schulen im Stadtgebiet. Die Hochschule steckt im Sanierungsstau. Rund 150 Millionen wären nach groben Schätzungen notwendig, die Gebäude in Schuss zu bringen. Eine gigantische Summe.

„Ganz ehrlich, ich weiß nicht, woher dieses Geld kommen soll“, sagt TU-Präsident Dr. Jürgen Hesselbach. Die Zeit arbeitet gegen die Hochschule. Etwa 20 Millionen Euro wären jedes Jahr erforderlich, um die Gebäude zu unterhalten, notwendige Reparaturen und Erneuerungen vornehmen zu können. „Zur Verfügung haben wir jährlich zwei bis drei Millionen“, sagt Hesselbach. Mit anderen Worten: Die Mängelliste wird jedes Jahr länger, weil das Geld hinten und vorn nicht reicht. Hesselbach drückt es noch drastischer aus: „Die Hochschule verrottet immer weiter.“
Der TU-Präsident hat sein Büro selbst in einem dieser Gebäude, das in die Jahre gekommen ist. Das Forumsgebäude ist ein Beispiel, aber auch an der Beethovenstraße, der Hans-Sommer-Straße oder am Langen Kamp sieht es nicht besser aus: Undichte Fenster, pappdünne Wände, veraltete Heizungsanlagen. Am Langen Kamp sind einige Häuser so marode, dass die Sanierung nicht mehr lohnt. „Die lassen wir am besten zusammenschieben“, meint Hesselbach. Aber es tut sich auch etwas. 10,5 Millionen Euro erhält die Hochschule als Unterstützung aus dem Konjunkturprogramm, dazu kommen noch rund 30 Prozent Eigenmittel.
Zwei große Baustellen hat der TU-Präsident direkt im Blick: Das Okerhochhaus ist bereits eingerüstet und hinter einem Vorhang verschwunden. Zuletzt waren sogar die Oberlichter aus ihren Halterungen gefallen.
Der andere „dicke Brocken“ ist das Audimax, größtes Hörsaalgebäude der TU. 4,8 Millionen Euro stehen zur Verfügung, um den „Betonklotz“ zu sanieren. Die Arbeiten sollen abgeschlossen sein, bevor 2011 der Doppelabiturjahrgang, der wegen der Schulzeitverkürzung auf zwölf Jahre entsteht, die Studierendenzahlen kräftig ansteigen lässt. „Wir haben jährlich rund 3000 Studienanfänger und rechnen dann mit einem Plus von 50 Prozent“, sagt Hesselbach. Also 4500 Neuzugänge. Schon jetzt stoße das Audimax mit seinen 800 Plätzen manchmal an seine Grenzen. 1000 Studenten hatten die Mathematik-Grundvorlesungen besuchen wollen. Am Ende wurden zwei Termine angeboten.
„Wir werden so viele Studenten wie möglich aufnehmen“, verspricht Hesselbach. Aber schon jetzt sei klar, dass die fehlenden Räume der größte Engpass sind. Besonders Laborplätze werden knapp. Vorübergehend Laborplätze einzurichten, sei nicht bezahlbar. Und vorübergehend werden sie nur gebraucht, denn nach den Doppeljahrgängen wird sich schon bald der Geburtenrückgang bemerkbar machen.
Was Bauzustand und Ausstattung angeht, stehen die Hochschulen in den östlichen Bundesländern durch entsprechende Förderung besser da. Hesselbachs Empfehlung: „Im Interesse der Studierenden kann ich nur sagen: ‘Go east!’“.
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