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„Harte Tür“ als Preis für Ruhe

Besucher an Diskothekentür abgewiesen – Betreiber weist ausländerfeindliche Vorwürfe zurück.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 28.09.2011

Braunschweig. „Und das will eine weltoffene Stadt sein?“, fragt Katharina Faust. Ihre Freunde aus Südafrika wurden an einer Diskothekentür abgewiesen. „Es war mir furchtbar peinlich“, sagt Katharina.

Es war am Abend des 10. September; Katharina Faust, ein befreundetes Pärchen aus Braunschweig und zwei Gäste aus Südafrika starteten in das Nachtleben. An der Tür zur Diskothek Schwanensee endete der Abend abrupt: „Meine afrikanischen Freunde kamen nicht rein“, erzählt die Kindergärtnerin. Der Türsteher habe gesagt, es dürften an diesem Abend nur Stammgäste in die Disko. „Aber das konnte ja nicht stimmen, meine Freundin und ich waren ja schon problemlos durchgekommen“, erzählt Katharina Faust. Sie habe sich dem Mann an der Tür zugewandt und gesagt: „Das ist unser Besuch aus Afrika.“ Daraufhin habe der Türsteher geantwortet: „Das ist ja das Problem.“
„Wenn das hier das hinterletzte Dorf wäre, könnte ich das noch verstehen“, ereifert sich Katharina Faust, „aber so etwa darf in Braunschweig nicht passieren.“
Oliver Strauß, Geschäftsführer der Strauß und Lemke GmbH, die auch das Schwanensee betreibt, bittet um Verständnis. „Ja“, sagt er, „in rund 20 Prozent der Fälle ist die Abweisung an der Tür ungerechtfertigt.“ Aber das sei ein bekanntes Problem, mit Ausländerfeindlichkeit habe das Verhalten nichts zu tun. „Wir haben acht ausländische Mitarbeiter bei uns“, sagt Strauß, „davon allein drei aus afrikanischen Ländern. Wenn wir irgendwie politisch rechts ausgerichtet wären, sähe das sicher anders aus.“ Unterstellungen in diese Richtung weist der Unternehmer zurück. „Aber gerade das Schwanensee ist ein kleiner Laden, der Türsteher hat dafür zu sorgen, dass es friedlich zugeht“, erklärt Strauß. Und er habe für seine Entscheidung nur wenige Sekunden.
„Es darf in einer Diskothek möglichst keinen Ärger geben“, sagt Strauß, „das ruiniert den guten Ruf.“ Besonders die jungen Frauen müssten sich sicher fühlen können. „Ich bin in engem Kontakt zur Polizei“, erzählt er, „die sind froh, dass sie in unseren Läden kaum Einsätze haben.“
Der Preis dafür sei eine relativ „harte“ Tür. Die allerdings in anderen Städten und Ländern noch viel härter sei. Die Braunschweiger seien da nicht so viel gewohnt, vermutet Strauß.
„Ich war jetzt mit einigen Freunden in Istanbul“, erzählt Strauß, „wir wollten auch in eine Diskothek gehen, aber die haben nur eine Gruppe Männer gesehen und abgewunken, wir hatten keine Chance.“ Auch aus Berlin kenne er die Erfahrung, dass er in bestimmte Läden nicht reingelassen wurde. „Das passiert halt“, sagt Strauß, „das muss dann einfach mal akzeptiert werden.“
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