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„Gut, dass es einen solchen Ort gibt“

Beratungsstelle für Frauen, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind – „Tag der offenen Tür“ am 23. April

Von Jens Radulovic, 21.04.2010

Braunschweig. „Nach langer Odyssee haben wir endlich eine langfristige Bleibe gefunden“, freut sich Roswitha Gemke von der Frauen- und Mädchenberatung bei sexueller Gewalt. Der Verein veranstaltet aus diesem Anlass am Freitag (23. April) von 14 bis 16 Uhr einen Tag der offenen Tür im neuen Domizil an der Goslarschen Straße 88.

Besonders freut die Mitarbeiterinnen, dass am neuen Standort erstmals Zugang und Toiletten behindertengerecht sind. Das sei allein durch Spenden ermöglicht worden. „Wir haben glücklicherweise langjährige Partner, die sehr verlässlich sind“, sagt Mitarbeiterin Sabine Rother.
„Lange Zeit hatte ich Traumata aus Kindheit und Jugend verdrängt und die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle haben mir geholfen, mich mit den erlittenen Traumatisierungen auseinander zu setzen, sie aufzuarbeiten und mich unterstützt, mir weitergehende Hilfe in Form von Therapie und Klinik zu suchen. Es tut gut zu wissen, dass es einen solchen Ort für Frauen wie mich gibt.“
Diese und ähnliche Aussagen von Betroffenen gegenüber der Frauen- und Mädchenberatung bei sexueller Gewalt zeigen, wie wichtig die Arbeit der Beratungsstelle für die Frauen ist. Seit über 20 Jahren bietet der Verein Beratung, Prävention und Öffentlichkeitsarbeit zum Thema sexuelle Gewalt an.
Die Arbeit der Beratungsstelle habe sich von einer Frauen-Selbsthilfe im Laufe der Zeit zu einer professionellen Beratungsstelle entwickelt, erklärt Rother. „Alle Beraterinnen hier haben Zusatzqualifikationen“, sagt die Sozialpädagogin, die auch als Kinder- und Jugendpsychotherapeutin approbiert ist und Traumatherapien durchführt.
„Neben Einzelberatungen bieten wir auch traumaorientierte Gruppenarbeit und Spieltherapien an“, informiert Rother. Die Spieltherapie komme bei Kindern ab vier Jahren zur Anwendung. „Je kleiner die Kinder, desto mehr verarbeiten sie Erlebtes über das Spielen statt über das Reden“, erklärt Gemke.
Die Arbeit mit Opfern sexueller Gewalt ist aber auch für die professionell ausgebildeten Mitarbeiterinnen psychisch belastend. „Zur eigenen Entlastung haben wir Supervision und Intervision“, sagt Gemke, „aber auch unsere Präventionsprojekte haben eine aufbauende Wirkung auf mich.“ Auf Wunsch gehen die Mitarbeiterinnen beispielsweise in Schulen, bilden Lehrer fort und führen Elternabende zum Thema sexuelle Gewalt durch.
Eine weiteres Arbeitsfeld sei die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen: „Wir haben vor Jahren einen runden Tisch mit zum Beispiel dem Gesundheitsamt und dem Fachdezernat der Polizei ins Leben gerufen. “
Die Anfragen hätten durch die Diskussion um die Missbrauchsskandale in kirchlichen Einrichtungen zugenommen. „Wir haben eigentlich im Schnitt zwei Neuanfragen pro Woche, jetzt sind es etwa vier bis sechs“, sagt Gemke.
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