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Fliegen und dabei am Boden bleiben

Hightech-Simulatorzentrum im DLR in Betrieb genommen – Tag der offenen Tür am heutigen Sonntag.

Von Marion Korth, 09.06.13

Braunschweig. Die Weltraummission kann beginnen. Die Metallkugel, angestrahlt in Blau und Pink, sieht aus, als wäre sie startklar zum Abheben. Ist sie auch und bleibt trotzdem am Boden: Am Donnerstag hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt den Hightech-Flugsimulator in Betrieb genommen.

In den Weltraum geht es damit natürlich nicht, die Kugel bleibt, wo sie ist, ist aber trotzdem voll beweglich für den irdischen Einsatz. Piloten sollen sich fühlen wie in einem „richtigen“ Flugzeug oder aber einem Hubschrauber. Wahlweise können realitätsgetreue Nachbauten der Cockpits eines Airbus A 320 oder des Eurocopters EC-135 eingebaut werden. Die Kugel auf ihren sechs gelenkigen Beinen bringt Bewegung ins Pilotentraining, lässt das Flugzeug bei der Landung auf dem Boden aufstoßen, lässt den Hubschrauber in Turbulenzen trudeln. Für Flugsimulationen, die ohne Bewegungsmanöver auskommen, steht ein zweiter, festinstallierter Simulator in der neuen Halle. 15 Videobeamer produzieren das virtuelle Landschaftsbild, über das am Donnerstag der Hubschrauber fliegt. Täuschend echt ist das Gefühl des Fliegens, dabei wird der Eindruck der Vorwärtsbewegung, Kurvenneigung oder Höhenveränderung allein über die Verschiebung des Horizonts und des Sichtfeldes hervorgerufen. Im Hintergrund arbeiten die Rechner, rufen nach und nach immer neue Detaildaten der Planquadrate ab. Rund um Waggum ist die virtuelle Welt wie in einem Computerspiel dreidimensional dargestellt. In Satellitenansicht steckt aber ganz Deutschland im Rechner. Die Simulatoren sind für die DLR-eigene Forschung gedacht oder aber auch für andere Forschungseinrichtungen. „Wir erforschen hier neue Flugzeuge und Hubschrauber, die es noch gar nicht gibt“, erläutert Holger Duda, Abteilungsleiter Flugdynamik und Simulation. Ein Beispiel dafür ist ein Nurflügler, ein dreieckförmiger Flugzeugentwurf mit Platz für etwa 750 Passagiere.
Je nach Anforderung und Versuchsaufbau wird neu und weiter programmiert. „Wenn das Experiment ein schweres Gewitter erfordert, dann machen wir das“, sagt Informatiker Torsten Gerlach, der an den Hebeln des Eurocopters sitzt. Beim Probeflug im Simulator stellt sich Schwindelgefühl ein – was aber durchaus öfter vorkommen soll, der Flugeindruck ist erstaunlich realistisch.
Das moderne Simulatorzentrum kostete rund zehn Millionen Euro, eine Million davon hat die TU Braunschweig getragen.
Beim Tag der offenen Tür im DLR, den die nB in der MittwochAusgabe in einer Meldung irrtümlich für den Sonnabend angekündigt hat, der aber am heutigen Sonntag von 10 bis 17 Uhr stattfindet, dürfen Besucher hineinschauen, aber nicht selbst fliegen. Die Hightech-Geräte sind einfach zu wertvoll.
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