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Ein kurzes Leben im Zeitraffer

Dokumentarische Aufführung über den Braunschweiger Maler Götz von Seckendorff

Von Marion Korth Braunschweig. „Er war ein junger Wilder“, sagt Theaterregisseur Gilbert Holzgang und meint damit den Braunschweiger Maler Götz von Seckendorff, Hauptfigur seines neuen Stückes „Welch ein Wahnsinn!“. Gestern Abend war Premiere im Lindenhof.

Seckendorff blieb zeitlebens ein junger Wilder, das ist nicht nur stilistisch gemeint. Er war 25 Jahre alt, als er zu Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 in Frankreich fiel. Und ohne Holzgang und dessen Spurensuche wäre er vielleicht bald völlig vergessen.
Gilbert Holzgang ist bekannt für seine dokumentarischen Theaterstücke, deren Geschichten fest in der Braunschweiger Geschichte verwurzelt sind. „Ich war auf der Suche nach einem Braunschweiger Stoff, als mir der Name von Seckendorff wieder einfiel“, sagt der Regisseur. Auf ihn war er bei einer früheren Arbeit über den leidenschaftlichen Kunstkenner und -sammler Otto Ralfs, einst Dreh- und Angelpunkt der Braunschweiger Kunstszene, gestoßen. Auch wenn das heute kaum noch jemand weiß: „Von Seckendorff war ein bedeutender und berühmter Maler“, sagt Holzgang.
Viel ist verlorengegangen
Es geht nur um sieben, acht Jahre, in denen der junge Mann aus dem Vollen schöpfte. „Diese Jahre nachzuerzählen, hat mir einen Riesenspaß gemacht“, sagt Holzgang. Seckendorff hat ein großes Werk geschaffen: Zeichnungen, Gemälde, Wandbilder. 150 Arbeiten werden in der Aufführung als Videoprojektion gezeigt, doch viel ist verlorengegangen, nicht erst im Zweiten Weltkrieg. Den Nazis hatten von Seckendorffs Arbeiten nicht ins ideologische Bild gepasst. Eine „Kunstkommission“, die 1937 herumreiste, habe zwei Bilder von ihm aus dem Städtischen Museum weggebracht – „entartete Kunst“ in den Augen der Nazis. Heute habe das Museum noch sechs Gemälde, dazu einen Grafikzyklus in seinem Bestand.
„Frei von der Leber weg“
Holzgang beschreibt die von den französischen Spätimpressionisten geprägten Werke als „sehr witzig, frisch und frei von der Leber weg“. Dies gilt besonders für die Zeichnungen von Seckendorffs, die im Stil an diejenigen Toulouse Lautrecs erinnern.
Auf der Bühne nimmt von Seckendorff Gestalt an. Jürgen Beck-Rebholz spielt den jungen Maler. Annagerlinde Dodenhoff liest die „Lebensgeschichte meines Götz“. Die Geschichte hat die Mutter, Therese Freifrau von Seckendorff (1866-1946) geschrieben. In Hannover traf Holzgang den inzwischen 90 Jahre alten Neffen von Seckendorff, der viele Briefe seines Onkels aufbewahrt hat. Passagen aus diesen Briefen, gelesen von Hans Stallmach, vervollständigen das Bild eines kurzen Lebens.

Service:

• „Welch ein Wahnsinn!“ ist auch noch am 13., 14., 15., 19., 20., 21. und 22. März jeweils ab 19.30 Uhr im Theatersaal des Restaurants Da Paolo/Lindenhof, Kasernenstraße 20, zu sehen.
• Kartenvorverkauf bei Musikalien Bartels
• Reservierung per Mail an gilbert.holzgang@t-online.de
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