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Die eigene Persönlichkeit erschaffen

Die Szenen für ihr Landschaftstheater entwickelten die Kinder der Gruppe aus Eitzum und Boegens selbst. Foto: A. Warzecha

Das Theaterpädagogische Zentrum arbeitete mit Kindern aus verschiedenen Kinderhäusern.

Von André Pause, 13.08.2014.

Braunschweig. „Wir konnten von anderen lernen, sehen, was die so drauf haben“, sagt eine der munteren Teilnehmerinnen des Projektes „Das Kind in der Kiste“, einer Theaterarbeit mit Kinderhäusern beim Pressetermin im LOT-Theater. Das klingt zunächst einmal simpel, und doch sei dieser Umstand bei der Arbeit mit traumatisierten Kindern keine Selbstverständlichkeit, weiß Martin von Hoyningen Huene, LOT-Geschäftsführer und gemeinsam mit Sandra Masemann Leiter des Theaterpädagogischen Zentrums für Braunschweig und die Region: „Oft sprechen die erst gar nicht miteinander.“

In Kooperation mit dem Pädagogisch-Psychologischen Therapie-Zentrum Braunschweig, dem Jugendhaus Kutzner Wolfsburg, dem Kinderhaus Eitzum, dem Kinder- und Jugendhof Boegens, dem Verbund Braunschweiger Kinderhäuser und dem Haus Klein Vahlberg hat das Theaterpädagogische Zentrum seit November 2013 mit insgesamt 36 Kindern und Jugendlichen zwischen 6 und 17 Jahren nach Ausdrucksmöglichkeiten in verschiedensten Kunstformen geforscht. Ein Pilotprojekt. Von Hoyningen Huene schildert es als durchaus archaisch-anarchische Sache, bei der schon mal eine Fensterscheibe zu Bruch ging: „Die Kinder und Jugendlichen haben das Thema mit Leben gefüllt.“ Das ist insofern bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass sich die Teilnehmer mit Verhaltensauffälligkeiten, emotionalen Beeinträchtigungen und Vernachlässigungen, schulischen Schwächen, missbrauchten und misshandelten Kindern, sowie Kindern mit psychomotorischem wie physiotherapeutischem Hilfebedarf, Geschwisterkindern und Heimkindern zum ersten Mal durch eigenes künstlerisches Gestalten aktiv am kulturellen Leben beteiligt haben.
Insgesamt ist das Projekt eines mit langem Anlauf. Bereits vor zwei Jahren hat von Hoyningen Huene mit den Autorinnen des Buches „Trauma First“ gesprochen und sei dann, wie er selbst sagt, tiefer in die Thematik eingestiegen. Daraufhin wurden Kinderhäuser besucht, mit dem Ziel, ein Netzwerk zu knüpfen.
Entstanden sind in den Gruppenarbeiten nun die unterschiedlichsten Resultate. Einige drehten Frage-und-Antwort-Spiele mit Passanten in der Innenstadt, andere erzählten vor der Kamera Alltagsgeschichten mit Handpuppen. Die Kinder aus Eitzum haben situativ ihren Alltag festgehalten: Dialoge, Kaspereien, Tanzschritte und erzählte Witze – Landschaftstheater eben. Wenn möglich, solle das Projekt künftig fortgeführt werden. Gefördert wurde die erste Auflage von der Kroschke Kinderstiftung sowie der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz.
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