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Der Zauber wirkt noch

Gärtner Burkhard Bohne (l.) mag die Libanon-Zedern am Marienaltar besonders. Nach einigem „Herumgeschiebe“ findet dahinter auch noch Domprediger Joachim Hempel Platz. Foto: T.A.

Mariengärten im Dom zu Ehren des 825 Jahre alten Marienaltars.

Von Marion Korth, 07.08.2013

„Burkhard, wo sollen die Bänke hin?“ Gärtnermeister Burkhard Bohne gibt die Regieanweisungen für die „grüne Installation“, die für zweieinhalb Wochen den Braunschweiger Dom ergrünen lässt: Mariengärten mit Pflanzen voller Symbol-, Heil- oder Zauberkraft.

Die Pflanzen sind Mittelpunkt einer Ausstellung und gleichzeitig schmückendes Beiwerk. In diesem Jahr ist der berühmte Marienaltar im Dom 825 Jahre alt geworden. Die Ausstellung, sagt Domprediger Joachim Hempel, sei eben auch ein Versuch damit umzugehen, dass der Hauptaltar dieser evangelischen Kirche ein Marienaltar aus katholischer Zeit ist. Und sie sei der Versuch, der Maria jenseits aller Verklärung oder Missachtung als wichtiger Person im Neuen Testament gerecht zu werden. „Maria war weder katholisch noch evangelisch. Sie war eine jüdische Frau aus Nazareth“, betont Hempel. Die Marienverehrung, wie sie die orthodoxe oder katholische Kirche kennt, spielt in der evangelischen Kirche keine oder kaum eine Rolle. Hempel erinnert sich an das Ende der 1970er Jahre, als nicht einmal das Ave Maria im Gottesdienst gesungen worden ist, und er mit einer Marienandacht in der Klosterkirche in Riddagshausen aneckte. Aber das ist Vergangenheit.
Am Marienaltar selbst finden sich Pflanzenornamente, ebenso Darstellungen hoch oben in den Deckenmalereien des Doms und jetzt in natura auch unten auf dem Steinfußboden.
Burkhard Bohne, Leiter des Arzneipflanzengartens der TU, hat die Kräuter in Etappen herangezogen, sodass im Dom auch jetzt noch blühende Malven, Katzenminze oder Färberkamille zu sehen sind, während sie draußen im Garten längst Samen tragen. Der Marienaltar wird von zwei Libanon-Zedern gerahmt, deren bizarrer Wuchs beeindruckt, ohne die schlichte Schönheit des Altars zu erdrücken. Mehr als mannshohe Zypressen lenken die Blicke zum Altar, die vier quadratischen Gärten geleiten den Dombesucher dorthin. Die großen Bäume wurden in einem Thermolastwagen aus der Toskana geholt und sollen anschließend zugunsten des Doms versteigert werden. „Sie sind alle winterhart“, sagt Bohne, dabei sei bei der Auswahl der Arten geachtet worden.
In den Mariengärten wuchsen in Kloster- oder Pfarrgärten nicht nur die Blumen für den Altarschmuck. Mariengärten sollten dem Menschen das verlorene Paradies näherbringen. Sie stecken voller (christlicher) Symbolik, stehen für Seelenreinheit (Lilie), ewiges Leben (Buchsbaum) oder auch die heilige Dreifaltigkeit (Erdbeere). Genaue Erkenntnisse, welche Pflanzen sich in so einem Mariengarten fanden, gebe es nicht, sagt Burkhard Bohne. Er hat deshalb eine Zauberpflanze aus vorchristlicher Zeit, den Beifuß, in ein Beet in Form einer liegenden Acht, dem Zeichen der Unendlichkeit, gepflanzt. Der Zauber wirkt noch immer: Den Dom durchstreicht ein fremder, würziger Geruch…
Gartenführungen durch den Dom werden ab dem morgigen Donnerstag (8. August) montags bis freitags immer ab 16 Uhr angeboten.
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