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Damit Herzen weiter schlagen

OP-Team des Klinikums seit heute in Addis Abeba – Dritte „Heart for Ethiopia“-Reise

Von Martina Jurk

Braunschweig. Heute morgen um 7 Uhr begann ein Operationsteam des Klinikums Braunschweig, Kindern in Äthiopien neue Herzklappen einzusetzen. Nach zwei Wochen sollen 18 Mädchen und Jungen so vor dem sicheren Tod bewahrt worden sein.

Eine Mandelentzündung, die nicht mit Antibiotika behandelt wird, kann eine chronische Herzklappenentzündung verursachen. Die Klappen schrumpfen, verkalken oder werden undicht. „Dieses Krankheitsbild gibt es bei uns in Europa nicht mehr“, sagt Privatdozent Dr. Wolfgang Harringer, Chefarzt der Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie. In Äthiopien erkranken jährlich rund 120 000 Menschen daran neu, mehrere 10 000 sterben daran. Behandlungsmöglichkeiten für Kinder mit Herzerkrankungen gibt es in dem nordostafrikanischen Land, das zu den ärmsten der Welt zählt, nicht. Deshalb initiierten Mitarbeiter der Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie sowie der Anästhesieabteilung des Klinikums Braunschweig das Hilfsprojekt „Heart for Ethiopia“. 2004 operierten sie erstmals 19 Kinder unentgeltlich in Addis Abeba, 2007 das zweite Mal 18 Kinder.
Jetzt ist wieder ein 20-köpfiges Team vor Ort, das im Black Lion Hospital der Addis Abeba Universität am OP-Tisch steht. Sie nehmen ihren Jahresurlaub, sammeln Spenden für das Material und den Transport und zahlen auch den Flug selbst. „Das Engagement der Mitarbeiter ist außergewöhnlich, und das unter schwierigen Rahmenbedingungen“, sagt Geschäftsführer Helmut Schüttig. Geräte und zwei Tage Sonderurlaub bekommt jeder von ihnen vom Klinikum mit. „Die zwei Wochen schweißen zusammen“, weiß Dr. Harringer. Er leitet das Ärzteteam, das täglich zwei Operationen durchführt und dafür zwölf Stunden im Einsatz ist. 2000 Euro kostet eine OP – für äthiopische Verhältnisse nicht finanzierbar. „Die Vorauswahl der Kinder, die operiert werden, wird von den äthiopischen Kollegen getroffen, die inzwischen eine exzellente Nachbetreuung leisten. Die endgültige Entscheidung fällt dann gemeinsam mit uns. Voraussetzung ist, dass keine Bestechungsgelder fließen“, berichtet Dr. Wolfgang Harringer.
Die Betreuung der kleinen Patienten und deren Familien übernimmt der mit Braunschweig kooperierende Rotary-Club Finot in Addis Abeba. Einen Scheck über 41 400 Euro hatte der Rotary-Club Braunschweig-Hanse kurz vor dem Abflug dem OP-Team übergeben – eine der größten rotarischen Spenden für ein Einzelprojekt. Die Rotary-Clubs der Region haben die Spende seit zwei Jahren vorbereitet, der norddeutsche Distrikt und die amerikanische Mutterorganisation verdoppelten den Betrag jeweils. „Wir haben kräftig die Werbetrommel gerührt. Das Projekt fand sogar international Anerkennung“, sagt Präsident Jörg Salmhofer. Von dem Geld werden Material- und Transportkosten sowie zwei Beatmungsgeräte finanziert. Von den Spenden der Bevölkerung sind alte OP-Tische aus dem Klinikum nach Addis Abeba transportiert worden. „Der schönste Lohn für Ärzte und Mitarbeiter“, so Dr. Wolfgang Harringer, „ist zu sehen, dass die operierten Kinder heute zur Schule gehen oder einen Beruf erlernen.
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