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Autos stehen bald im Garten

Ärger um vier falsch angelegte Parkplätze

Von Marion Korth

Lamme. Die Dopatkas sind seit Kurzem zu viert, Niklas hat jetzt ein Schwesterchen. Perfektes Familienglück, wäre da nicht das „Sorgenkind“ vor der Tür: Vier Parkplätze, die nicht plangemäß angelegt worden sind. Jetzt geht’s der Familie ans Grundstück.

Für den Umbau, wie die Stadt ihn fordert, müssen Dopatkas etwas von ihrem Grundstück hergeben. Denn die neue Lösung mit parallel angelegten Parkplätzen und Rangierfläche dazwischen benötigt mehr Platz. „Wir haben uns vor allem für dieses Reihenhaus entschieden, weil es ein etwas größeres Grundstück hat“, erzählen Anne und Jens Dopatka. „Etwas größer“ heißt in diesem Fall rund 220 Quadratmeter. Genug Platz für die Kinder zum Spielen, für Planschbecken, Schaukel und Sandkiste. Davon aber müssen die Dopatkas demnächst wohl an die 40 Quadratmeter abgeben. Wo jetzt noch ihr Gartenhäuschen steht, stehen dann bald die Autos, praktisch direkt neben ihrer Terrasse. Vier Parkplätze nebeneinander, senkrecht zur Straße angeordnet – das ist der Ist-Zustand. „Zu großes Gefährdungspotenzial und baurechtswidrig“, sagt die Stadt und drängt energisch auf Umbau. Die Kritik: Eigentlich immer beim Ausparken müssen die Dopatkas und die anderen drei Parteien in dem Mehrfamilien-Reihenhaus im Hohkamp rückwärts auf den Fußgängerweg fahren. Argumente, dass der gut einzusehen ist, dass da sowieso kaum Fußgänger langgehen und dass schräg gegenüber vor einem anderen Haus Parkplätze in der gleichen Anordnung angelegt worden sind, lässt die Verwaltung nicht gelten, sie ändern nichts an dem Sachverhalt in diesem speziellen Fall. Und noch etwas: Zwei Parkplätze sind nur zu erreichen, indem man über eine hohe Bordsteinkante holpert. Das geht auf die Reifen und die Nerven und liegt daran, dass die Kante nur im Bereich der vorgesehenen Rangierfläche (siehe Bild oben rechts) abgesenkt worden ist. Nur die gibt es ja hier nicht.
Die „Schuldfrage“, warum es überhaupt zu der falschen Anordnung kam, lässt sich kaum noch beantworten. Ende 2004 haben die Dopatkas das Reihenendhaus gekauft und so alt ist auch die Parkplatz-Geschichte. Denn gebaut hat das Haus ein Bauträger und der hatte seinerzeit auch den Bauantrag gestellt, inklusive der Parkplätze, wie sie jetzt liegen. Die Stadt genehmigte den Bau, nahm allerdings eine Änderung in dem eingereichten Plan vor, korrigierte darin die Lage der Parkplätze. Doch diese Information ist bei den Dopatkas offenbar niemals angekommen.
Schriftlich haben sie etwas anderes in der Hand: Ihre Grundbuchunterlagen, die die Eigentumsrechte an den gemeinschaftlich genutzten Flächen, also auch den Parkplätzen, regeln. Im Grundbuch eingetragen wurden die Parkplätze in der senkrechten Anordnung und das Grundstück in seiner jetzigen Größe. Für die Dopatkas eine klare Sache: Die Parkplätze sollen senkrecht zur Straße stehen, so wurden sie angelegt. Die nB fragte nach beim Bauträger, der dafür folgende Erklärung hat. Bauantrag und Grundbucheintrag seien zeitgleich gelaufen, allerdings sei das Amtsgericht mit dem Eintrag schneller gewesen als die Bauverwaltung. Deshalb sei die Änderung nicht mehr in der so genannten „Teilungserklärung“ berücksichtigt worden.
Was dann folgte, ist ein reger Schriftwechsel zwischen Stadt und Bauträger. Im November 2006 gab es eine Anhörung, im März 2007 wurde Familie Dopatka auf die Unzulässigkeit der Parkplatz-Anordnung hingewiesen. Stand der Dinge: Der Bauträger hat eine bauaufsichtliche Anordnung erhalten, die Parkplätze entsprechend der Baugenehmigung umzubauen. Und die Dopatkas haben schriftlich, dass sie dies dulden und dafür ihr Grundstück hergeben müssen. Klar, dafür können sie finanziellen Ausgleich vom Bauträger fordern, aber das ändert nichts daran, dass ihr Grundstück kleiner wird.
Auf eine „familienfreundliche“ Lösung hatten sie gehofft, einfach den Bordstein noch zwei Meter weiter absenken, fertig. Paragraphen stehen dagegen.
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