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Auf alles sofort reagieren müssen

Aktionsjahr Sucht: Projekt „Eine Woche ohne mein Smartphone“ mit zehnten Klassen gestartet.

Von André Pause, 17.04.2013.

Braunschweig. Junge Menschen verlieren sich im Internet, Smartphones und Computerspiele halten Kinder und Jugendliche von wichtigeren Dingen ab – so das Klischee, das sich zumindest gefühlt oft bestätigt.

Jeweils eine zehnte Klasse des Martino-Katharineum-Gymnasiums und der Freien Waldorfschule beteiligen sich im Rahmen des „Aktionsjahres Sucht“ des Braunschweiger Präventionsrates und des Arbeitskreises Suchtprävention am Projekt „Eine Woche ohne mein Smartphone“. Hierbei verzichten die Schüler eine Woche freiwillig auf ihre Mobiltelefone und geben sie ab. In einer Zeit, in der die Kommunikationsapparate immer mehr mit dem menschlichen Körper zu verschmelzen scheinen, keine leichte Aufgabe, erst recht nicht für junge Menschen, die diese Form der Kommunikation früh gelernt haben – möchte man meinen.
Die Schüler der Freien Waldorfschule allerdings sehen der Sache überwiegend entspannt entgegen. Die sechzehnjährige Joanna Doyé und ihre ein Jahr jüngere Sitznachbarin Dominique Sowetow beispielsweise sind gespannt auf das Ergebnis. Eine Woche ohne Mobiltelefon auszukommen, ist ihren Angaben zufolge keine große Sache. Beide nutzen ihre Telefone eher im Notfall, schreiben ab und an Kurzmitteilungen oder hören Musik. Klassenkamerad Cedrek Jürgens betont dagegen den Sicherheitsaspekt. Der Sechzehnjährige hat seit etwa einem Jahr ein Smartphone. „Es ist schon ein bisschen komisch, überhaupt niemanden mehr anrufen zu können“, gibt er zu bedenken.
Dass Medien einen generellen Suchtfaktor darstellen, daran hegt Michael Roos von der Jugendhilfe der Diakonie zumindest milde Zweifel. „Wir haben uns mit diesem Projekt die Frage gestellt, ob Mediennutzung zu einer Art Abhängigkeit führt. Allerdings mit einem großen Fragezeichen, da es keine wirklich belastbaren Studien hierzu gibt.“ Einzelfälle von Abhängigkeit in diesem Bereich möchte Roos nicht ausschließen, ein weitaus größeres und beobachtbares Problem sei aber der mit den neuen Kommunikationsformen einhergehende Stress. Dies äußerten auch die sogenannten Digital Natives immer wieder. „Junge Leute fühlen sich in der Verantwortung, auf alles sofort zu reagieren. Das artet schon mal in Stress aus.“ Durch das Chatprogramm „WhatsApp Messenger“, das die herkömmliche SMS bei Smartphonenutzern zum Großteil verdrängt hat, habe sich das Ganze noch verstärkt.
Regina Czaske, gemeinsam mit Andreas Stroka Klassenbetreuer der zehnten Klasse der Freien Waldorfschule, begrüßt das Projekt. „Es passt gut in unser Schulkonzept, das einen Rahmen bildet, in dem Kinder und Jugendlichen begleitet werden. Seit diesem Schuljahr gibt es hier auch einen Arbeitskreis Suchtprävention, so dass die Schüler immer einen Ansprechpartner haben, wenn es auf diesem Gebiet Schwierigkeiten gibt.“
Ob es für die am Projekt beteiligten Schüler ohne Smartphone Schwierigkeiten gibt, wird sich zeigen. Zwei Schüler jeder Schule werden im Rahmen der Veranstaltung „Immer online – aber lange nicht mehr gesehen ...“ am 16. Mai von 17 bis 20 Uhr in der Aula des Martino-Katharineums von ihren Erfahrungen ohne Mobiltelefon berichten.
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