Anzeige

Alle Jahre wieder – ein trauriges Lied

Trostlose Realität in Bethlehem: Eine Grenzmauer umschließt die Stadt. Unser Foto zeigt Domsekretär Marc Bühner bei einem Besuch einer Braunschweiger Delegation im vergangenen Jahr. Foto: oh

Palästinensische Krippenschnitzer noch bis zum vierten Advent im Dom – Chance auf Dialog.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 11.12.2013.

Braunschweig. Alle Jahre wieder – das gilt auch für Sami Abu-Ata und seine Frau Samar. Alle Jahre wieder bieten sie zur Weihnachtszeit im Dom Holzschnitzereien aus ihrer Heimat Bethlehem an. Nicht etwa (zumindest nicht nur), weil es ihnen hier so gut gefällt, sondern weil sie auf den Erlös dringend angewiesen sind. Sie – und viele Familien mehr, deren Handwerksarbeit sie hier anbieten können.

Denn zu Hause gibt es kaum noch Touristen. „Seit der ersten Intifada 1987 ist Bethlehem durch Mauern und Grenzzäune abgeschottet, die Besucher bleiben meist nur für einen Tag, selten über Nacht“, erzählt Domprediger Joachim Hempel, der die Aktion zur Unterstützung der Christen in Palästina vor 17 Jahren angefangen hat.
Und sie nimmt kein Ende. „Nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und der israelischen Armee, die im Dezember 1987 begannen, brach der Tourismus zusammen“, erinnert Hempel. Die Situation habe sich zwar inzwischen verändert, „aber nicht wirklich zum Guten.“ Der Kontakt ausländischer Besucher zu Palästinensern sei nicht erwünscht, sagt Hempel. „Die Israelis erschweren das nachhaltig“, weiß er aus der Erfahrung vieler Besuche in Israel, in denen er immer auch für einige Tage bei seinen Freunden in Bethlehem wohnt.

Durch die Abschottung und durch zahlreiche schikanöse Verordnungen sei das tägliche Leben mühsam, die Ausbildungschancen der jungen Generation sehr gering, die Auswandererquote hoch. „Das ist ein Kalkül bestimmter Gruppen in Israel“, weiß Hempel, „manche hoffen, dass sich so das Palästinenserthema erledigt.“
Menschen wie Sami Abu-Ata kämpfen dagegen an. Abu-Ata ist stellvertretender Präsident der Handwerkskammer in Bethlehem; er und seine Mitstreiter wollen eine Zukunft gestalten. „Und dabei unterstützen wir, so gut es geht“, erklärt Hempel die Mission.

Und er lädt noch einmal ausdrücklich die Braunschweiger ein, in den Dom zu kommen und Sami Abu-Ata und seine Frau Samir zu besuchen. „Auch, um einige der Schnitzereien zu kaufen“, sagt er. „Aber nicht nur“, fügt Hempel an, „hier besteht die Möglichkeit, aus erster Hand erfahren zu können, wie der Alltag der Palästinenser in Bethlehem wirklich aussieht.“
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.