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Afghanistan: Hilfe für ein Land, das nicht zur Ruhe kommt

Karla Schefter kommt am Sonntag – Pauli-Gemeinde unterstützt Krankenhaus mit 10 000 Euro

Von Marion Korth

Braunschweig. Braunschweig ist für Karla Schefter nicht irgendeine Stadt in Deutschland. Und St. Pauli auch nicht irgendeine Kirchengemeinde. Seit mehr als zehn Jahren wird die Deutsche für ihr in Afghanistan aufgebautes Krankenhaus mit Spenden unterstützt. 10 000 Euro wird sie im Gottesdienst am Sonntag erhalten.

Karla Schefter ist dankbar für diese Unterstützung. „Da ist eine große Verbundenheit entstanden“, sagt sie. 90 Prozent der Kosten in dem Krankenhaus – für die 69 afghanischen Mitarbeiter, für Nahrungsmittel, für Holz und Diesel für die Stromaggregate – muss sie über Spenden aufbringen. Immer wieder sei sie überrascht, wie viel da zusammenkommt. In der Pauli-Gemeinde und anderswo.
„Viele kleine Leute können das Gesicht der Welt verändern…“ lautet das Motto des Gottesdienstes, der um 10 Uhr beginnt. Und „viele kleine Leute“ haben das Geld zusammengebracht: Da wurde selbstgekochte Marmelade verkauft, die Comeniusschule hat einen Sponsorenlauf veranstaltet, dazu kamen Kollekten und Spenden. Zusammen 10 000 Euro und für Karla Schefter „praktizierter Frieden“.
Frieden in einem Land, das seit Jahrzehnten nichts anderes als Krieg kennt und auch jetzt nicht zur Ruhe kommt. „Das Volk konnte sich niemals erholen“, sagt Karla Schefter. Die Bildung liegt brach. Im Winter sind die Schulen geschlossen. Bis zu minus 28 Grad und keine Kohle, um zu heizen. Von weiteren Soldaten für Afghanistan werde gesprochen, „aber die humanitäre Schiene kommt zu kurz“, kritisiert sie. Besonders die Provinz sei sträflich vernachlässigt worden.
Für ein Jahr war die ausgebildete Krankenschwester in Afghanistan. „Daraus wurden 20 Jahre“, sagt sie. In „ihrem“ 60-Betten-Krankenhaus, drei Stunden von Kabul entfernt, sind im vergangenen Jahr 70 000 Patienten behandelt worden und das kostenlos. Alles ist Mangelware. „Es gibt keine Kohle, kein Gas, keinen Strom.“ Und oft kein sauberes Wasser. Mit verheerenden Folgen vor allem für die Kinder. Typhus und Durchfallerkrankungen grassieren. Jede zehnte Frau stirbt an den Folgen einer Schwangerschaft. Geregelte Arbeit habe kaum jemand, karge Kost liefert Ackerbau wie in „vorbiblischer Zeit“. Die Menschen leben in Häusern ohne Möbel, Plumpsklo auf dem Hof. Fleisch gibt es fast nie, dafür Reis, Linsen, Bohnen und Fladenbrot. Durchschnittliche Lebenserwartung: 43 Jahre. In Afghanistan gebe es keine Dialyse, keine Herzchirurgie oder Chemotherapie. „Wer nierenkrank ist oder Krebs hat, ist zum Tode verurteilt“, sagt Schefter.
Wenn sie sich für Afghanistan etwas wünschen dürfte, dann nicht Milliarden an Aufbauhilfe, sondern „Frieden und Sicherheit“. Die Provinz, in der sie sich engagiert, sei eine der gefährlichsten des Landes. „Aber ich bin hier bekannt wie ein bunter Hund und das Krankenhaus so etwas wie eine neutrale Zone“, sagt sei. Fünf Regierungswechsel hat sie schon erlebt, sich von allem Politischen ferngehalten. „Das hat sich bewährt.“ Am 16. März wird sie wieder zurück nach Afghanistan fliegen, um ihre Aufbauarbeit „ganz langsam von unten und zusammen mit den Menschen“ fortzusetzen.
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