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Abzocke statt des ersehnten Flirts

Prozessauftakt: Nutzer einer SMS-Börse sollen um rund vier Millionen Euro geprellt worden sein

07.02.2010

Braunschweig (jen). Seine Geschäfte mit der Sehnsucht haben einen Mann aus Seesen auf die Anklagebank gebracht. Vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Braunschweig muss sich der 30-Jährige verantworten, weil er die Nutzer der von ihm betriebenen SMS-Flirtbörsen um insgesamt rund vier Millionen Euro geprellt haben soll.

1,99 Euro: Teure SMS
In Anzeigen und im Internet warb der Mann für seine Firmen. Sie wollten angeblich Singles den Weg zur neuen Partnerschaft ebnen. Die Kunden mussten nur SMS mit ihren Daten an sogenannte Premium-Nummern versenden und erhielten fast umgehend Antworten von offenbar Gleichgesinnten.
Die Sache hatte aber einen Haken. Die Nutzer mussten für jede der Kurzmitteilungen 1,99 Euro zahlen. Und bei den vermeintlichen Chat-Partnern handelte es sich nicht um einsame Singles, sondern um bezahlte Animateure. Sie täuschten falsche Identitäten vor und stellten oft sogar Treffen im echten Leben in Aussicht. Erst nach vielen teuer versandten SMS bemerkten die Kunden den Schwindel.
„Ich war mir keiner Schuld bewusst gewesen“, erklärte der Angeklagte vor Gericht kleinlaut. Er habe sich im Vorfeld bei den Providern der kostspieligen Telefonummern informiert. Sie hätten ihm versichert, sein Vorhaben sei „ganz legal“. Die Telefonanbieter vermittelten durch die Aktivitäten des Harzers 2,1 Millionen SMS und erzielten dabei einen Bruttoumsatz von rund 4,1 Millionen Euro. Etwa 3,9 Millionen Euro davon flossen an die Firmen des Mannes zurück.
Als Animateur gejobbt
Der Beschuldigte kannte die Branche. Weil er arbeitslos gewesen sei und Geld benötigte, habe er selbst zunächst als Animateur gejobbt, sagte er. Als sich ihm dann die Gelegenheit bot, selbst in das Geschäft einzusteigen, habe er zugegriffen.
Das Gericht hat Verhandlungstermine bis Ende Februar angesetzt. Befürchtungen, der Prozess könne sich in die Länge ziehen, gibt es nicht. „Mein Mandant wird kooperieren, natürlich auch in der Hoffnung auf eine mildere Strafe“, kündigte Verteidiger Dr. Christof E. Sieverts an. Der Angeklagte sei außerdem einverstanden, wenn die von seinen Konten beschlagnahmten 400 000 Euro für die Schadensansprüche der Nutzer verwendet werde.
In der kommenden Woche wird der Prozess fortgesetzt.
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