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Abenteuer Leseecke: Vier Sprachen und ein Fisch

Bilderbuchkino in der Stadtbibliothek – Im neuen Jahr monatlich

Von Birgit Leute, 08.12.2012

Braunschweig. Ein bisschen nervös ist sie schon. Zum ersten Mal sitzt Irina Bamesburger heute auf dem roten Sofa in der Stadtbibliothek und liest vor – auf russisch, ihrer Muttersprache. Zeit für das Bilderbuchkino.

Alle zwei Monate bekommen Kinder in der Kinder- und Jugendbibliothek eine Geschichte vorgelesen: Auf Deutsch und in einer Fremdsprache. Nicht alles lässt sich gleich verstehen, doch darum geht es im Bilderbuchkino nicht. „Die Kinder sollen mit den Lauten und der Melodie der anderen Sprache vertraut werden“, beschreibt Christina Hausmann, Diplom-Bibliothekarin, das Ziel.
Heute steht ein Buch von Marcus Pfister auf dem Programm „Der Regenbogenfisch entdeckt die Tiefsee“. Die Bilder dazu wirft ein großer Beamer an die Wand, den Text tragen Lesepaten vor – Lesepaten wie Bamesburger. An diesem Tag ist sie nicht allein: Mit ihr lesen Sesli Hakan, Kate Grigat und Ulla Billmann. Hakan ist dabei für den türkischen Part zuständig, Grigat für den englischen und Billmann für den deutschen. „Normalerweise haben wir nur eine Fremdsprache, aber zum Jahresabschluss haben wir uns etwas besonderes einfallen lassen“, lächelt Haumann.
„PaAyxhar Pbibka otkpbibaet mopckne ray6nhbl“, beginnt Bamesburger. Konzentriertes Schweigen in der Leseecke. Die 20 Kinder lauschen mit offenem Mund, die Eltern versuchen bekannte Worte aus dem Redeschwall herauszufischen. Unmöglich. Auch Türkisch rauscht vorbei – schnell und für das deutsche Ohr ein bisschen monoton. Erst als Grigat auf Englisch und Billmann später auf Deutsch lesen, entspannen sich die Gesichter. Jetzt wird die Geschichte vom kleinen Fisch, der seine Glitzerschuppe sucht, klarer.
Entstanden ist das mehrsprachige Lesen für Kinder ab vier Jahren durch eine Kooperation zwischen der Bürgerstiftung Braunschweig, der Stadtbibliothek und dem Büro für Migrationsfragen. „In meinem Beruf als Lehrerin hatte ich viele Nachhilfeschüler mit Migrationshintergrund, die sowohl in Deutsch als auch in ihrer Muttersprache Schwierigkeiten hatten. Das Bilderbuchkino will helfen, Interesse an der Sprache und am Lesen zu wecken und letztlich auch das interkulturelle Verständnis fördern“, sagt Initiatorin Dorlis Leer von der Bürgerstiftung. Das Projekt ist inzwischen von der Herbert-Quandt-Stiftung ausgezeichnet worden und wird im kommenden Jahr monatlich stattfinden. Die neunjährige Linda war nach der kurzweiligen Stunde begeistert. „Den englischen Text habe ich ein bisschen verstanden, die anderen Sprachen nicht, aber es war gar nicht langweilig, es klang toll.“
Beim nächsten Bilderbuchkino im Februar gibt es eine Lesegeschichte auf Deutsch und Spanisch.
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