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DRK-Kreisverband Wolfenbüttel ruft Sprachschule ins Leben

Schulleiterin Bianca Schaare-Schlüterhof, Jana Ehlermann vom Landkreis Wolfenbüttel, Katharina Günter, DRK-Flüchtlings-Koordinatorin sowie Dolmetscher Heyam Ahmad und Mohsev Moarvjan (von links nach rechts) heißen die Flüchtlinge in der Schule im Innerstetal zum Sprachunterricht willkommen.
 
Deutsch lernen voller Elan: Kristina Hofmann, Ulla Börner, Petra Bothmann-Wilke und Karin Politt (von links nach rechts) mit ihren Sprachschülern aus diversen Herkunftsländern.
Baddeckenstedt: Haupt- und Realschule im Innerstetal in Baddeckenstedt | Vor dem Eingang der Haupt- und Realschule im Innerstetal in Baddeckenstedt drängen sich schon zahlreiche Flüchtlinge, die im Landkreis Wolfenbüttel eine neue Heimat gefunden haben. Im Inneren laufen die letzten Vorbereitungen. Die unterschiedlichsten Landesfahnen hängen von der Decke. Arabisch, Kurdisch, Persisch, Englisch – Satzfetzen schwirren an diesem Montagmorgen aus ganz verschiedenen Weltregionen im Gebäude durcheinander. Die beiden Dolmetscher Heyam Ahmad und Mohsen Moahvenian besprechen letzte Details, die ersten wichtigsten Unterrichtsmaterialien wie Bleistifte und Blöcke liegen dank einer Spende der Dorffreunde Steinlah schon längst bereit. In der Aula herrscht große Aufregung. Es ist laut. Ähnlich wie bei einer gewöhnlichen Einschulung. Nur, dass heute die Schultüten fehlen.

Ab sofort starten für Flüchtlinge in der Lichtenberger Straße insgesamt fünf Sprachkurse mit drei unterschiedlichen Lernniveaus. Möglich macht dies – mit tatkräftiger Unterstützung vom Bildungszentrum des Landkreises Wolfenbüttel und von vielen Ehrenamtlichen – der DRK-Kreisverband Wolfenbüttel. „Das Erlernen der deutschen Sprache ist, neben einem gesicherten Aufenthaltsstatus, die wichtigste Voraussetzung, um geflüchtete Menschen in Job und Ausbildung bringen zu können. Aus diesem Grund freuen wir uns umso mehr, dass unsere Deutschkurse jetzt endlich realisiert werden können“, erklärt Katharina Günter, DRK-Flüchtlingshilfe-Koordinatorin, während ihres Willkommensgrußes stolz. Und tatsächlich, für viele Flüchtlinge bedeutet die neue Schulform eine große Chance: Über ein Zertifikat erhoffen sich alle bessere Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt.

Das von der DRK initiierte Sprachkurs-Projekt ist in seiner Größe und Tiefe ein wahrer Vorreiter in der Region. „Die aktuelle Situation mit einer großen Zahl von Flüchtlingen, die auch in unsere Gegend kommen, erforderte rasches Handeln. Die Idee einer zentralen Sprachschule war schnell geboren und löst den Sprachunterricht in den einzelnen Dörfern, in Kirchen oder gar dem eigenen Wohnzimmer ab“, berichtet Jana Ehlermann vom Landkreis Wolfenbüttel. Ein im Kern gelegener Lernort solle die Ausgangslage nun verbessern und ein besseres Leistungs- und Lernniveau schaffen.

Dreimal wöchentlich lernen die fast 80 eingeschulten Flüchtlinge, die vor Beginn der Kurse einen Einstufungstest im Hinblick auf Sprach- und Lernniveau absolvieren mussten, in den Räumen der Schule im Innerstetal die deutsche Sprache. Manche können bereits ein paar Brocken, manche hingegen beherrschen nicht einmal das Alphabet in ihrer Muttersprache. Einfache Fragen wie nach dem Namen, dem Alter oder Wohnort können die Frauen und Männer allerdings alle schon beantworten – die meisten Schwierigkeiten bereiten die Umlaute, die im Vorstellungsgespräch innerhalb der Klassen bei allen Anwesenden schnell ein kleines Schmunzeln auf die Lippen zaubern. „Wir freuen uns sehr, eine zentrale Sprachschule an unsere Schule angliedern zu können und somit nicht nur Sprachkenntnisse, sondern auch das Miteinander, die Gemeinschaft von deutschen Schülern und Flüchtlingen zu fördern“, betont Schulleiterin Bianca Schaare-Schlüterhof.

In den Kursen, die von etwa 10 bis 15 erwachsenen Teilnehmern belegt werden, bereiten die Flüchtlinge Inhalte des regulären Unterrichts nach, erweitern ihr Vokabular, verbessern so ihre Ausdrucksfähigkeit und Rechtschreibung und lernen Alltagssituationen wie Arztbesuche, Fahrplanauskunft, Einkäufe oder Elterngespräche in der Kita oder Schule besser zu meistern. Als Übungsleiter stehen ihnen dabei vier Dozenten, 15 ehrenamtliche Lernbegleiter und zehn weitere Helfer zur Seite. „Wenn man in Deutschland keinen Spaß versteht, dann beim Thema Rauchen. Auf dem Schulgelände könnt ihr nicht mit einer brennenden Zigarette in der Hand stehen“, schärft Petra Bothmann-Wilke, eine der ehrenamtlichen Helferinnen, ihren Schülern ein. Die Klasse nickt – und schon haben die Schüler in der allerersten Stunde nicht nur ein Stück Sprache, sondern auch gleich eine Lektion deutscher Gepflogenheiten gelernt.
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